Podiumsdiskussion: Die „Mitte“ der Gesellschaft

PODIUMSDISKUSSION

Die „Mitte“ der Gesellschaft

Zwischen soziologischer Diagnose und politischer Vereinnahmung

Audio-Mitschnitt unter Mediathek verfügbar!

Termin / Ort:
Donnerstag, 5. Mai 2011 19.00–21.00 Uhr
Alte Kapelle am Campus der Universität Wien
(Altes AKH, Spitalgasse 2-4, Hof 2.8, 1090 Wien)

Weitreichende Umbrüche in der Arbeitswelt, gesellschaftliche Fragmentierungsprozesse sowie politische Polarisierung rücken Diagnosen zur gesellschaftlichen Mitte zunehmend in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Sowohl in den Sozialwissenschaften als auch in Wirtschaft und Politik wird vermehrt über die gegenwärtige Lage der gesellschaftlichen Mitte sowie deren Zukunft diskutiert, wobei der Interpretation aktueller Befunde der Ungleichheitsforschung ein besonderer Stellenwert zukommt.
Die Ergebnisse zahlreicher Studien deuten darauf hin, dass die Mittelschichten einem Stagnations- oder sogarSchrumpfungsprozess ausgesetzt sind. Doch wer zählt eigentlich zur „Mitte“ einer Gesellschaft? Und welche gesamtgesellschaftlichen Konsequenzen ziehen Veränderungen in Größe und Zusammensetzung mittlerer sozialer Lagen nach sich?
Weitere Befunde zeigen, dass Abstiegsängste – unabhängig von einer tatsächlichen Bedrohung – zunehmend auch in Wohlstandslagen auftreten. Zumal sich Mittelschichten in ihren Lebensstilen und Einstellungen tendenziell nach „oben“ ausrichten, wird diesen Verunsicherungen nicht selten mit der Abschottung gegenüber unteren Lagen begegnet, was auf eine verschärfte Polarisierung gesellschaftlicher Gruppen hindeutet. Es gilt zu fragen, welche Auswirkungen diese Ängste in mittleren sozialen Lagen auf das Zusammenleben in der gegenwärtigen Gesellschaft haben.
Brisanz erhält diese Thematik dadurch, dass auch die Politik mit dem Begriff der gesellschaftlichen Mitte operiert und diesen politisch vereinnahmt. Hier entzündet sich die Frage nach der Mitte vor allem an der Verteilungsgerechtigkeit, wobei sich Parteien entlang des gesamten politischen Spektrums als Angebot für „die Mitte“ verstehen. Der Mitte-Begriff wird dabei oftmals jenseits seiner sozialstrukturellen Grundlage zu einem Kampfbegriff in der politischen Arena umgedeutet. Welche Folgen ergeben sich aus dieser politischen Vereinnahmung und Verfremdung des Mittebegriffs?

Diskutant/innen:

Prof.in Dr.in Nicole Burzan  (Universität Dortmund)

Univ.-Prof. Dr. Roland Verwiebe (Universität Wien)

Univ.-Prof. Dr. Sighard Neckel (Universität Wien)

Univ.-Ass.in Dr.in Bettina Leibetseder (Universität Linz)

Moderation

Mag.a Julia Hofmann (ÖGS-Sektion Soziale Ungleichheit)

Organisation: Österreichische Gesellschaft für Soziologie – Sektion „Soziale Ungleichheit in Kooperation mit dem Institut für Soziologie der Universität Wien im Rahmen der „Woche der soziologischen Nachwuchsforschung“

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